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Nachbericht zum 21. Januar 2012
„Die Mieter sind überaus glücklich“
 
1.000 Kilogramm Holzpellets wärmen so stark wie 500 Liter Heizöl. 1.000 Kilogramm Holzpellets kosten im Januar 2012 immerhin 218 Euro. 500 Liter Heizöl gibt’s gleichzeitig für gut 400 Euro. Also für fast das Doppelte. Tendenz: steigend. Kein Wunder also, wenn Gebäudeeigentümer von Häusern mit Holzpellets über ihre Kundschaft berichten: „Die Mieter sind überaus glücklich.“

Ulm, Oststadt, Samstagnachmittag, 21. Januar 2012. Im Hinterhof der Olgastraße: ein drei-stöckiges Gebäude. Frisch saniert, erst vor ein paar Jahren. Damit fällt es hier auf. Besonders wirkt es aber auch durch seine Südfassade. An ihr hängen senkrecht 27 Quadratmeter Sonnenkollektoren. Zusammen mit nochmals 40 Quadratmeter dieser Sonnen-Wärme-Fänger auf dem Dach – von ‚unten’ nicht sichtbar.
 
Bis 2005 kauften Andrea und Bernd Gerle das 1905 gebaute Haus. Dann renovierten sie es mit ihrer Firma „ab Solartechnik GmbH“ aus dem nahen Senden-Aufheim so, dass die Sonne dort im Haus der Ulmer Oststadt fast die Hälfte der dort benötigten Wärme liefert. Aus besagten 68 Quadratmeter Kollektoren an der Wand und auf dem Dach. Die anderen 50% wohlig warmer Temperaturen drückt der Pellet-Ofen im Keller ins hauseigene Heizsystem. Holz-Pellets sind ‚Presslinge’ aus Sägemehl, ähnlich geformt wie schöne schwäbische Spätzla. Also jener schwäbischen Speise, von der Al Pacino im Film „Der Duft der Frauen“ bekannte: „Am meisten freue ich mich auf die Spätzle.“ Holz-Pellets sehen in etwa so aus wie bleistift-dicke Würstchen. Zwar scheinen Pellets kaum so essbar wie Spätzla, aber für Genuss sorgen sie durchaus. Und zwar in Form wohlig warmer Temperaturen. „Wir sind hier sehr zufrieden mit dem allem hier“, bekennt eine Mieterin.
Wie aber kommen Holzpellets ausgerechnet in ein altes Haus irgendwo hinter Olgastraße in der Ulmer Oststadt? Auf jeden Fall nicht aufwendiger als Heizöl. Heute, am Nachmittag des 21. Januar 2012, bringt ein Lastwagen, der ähnlich aussieht wie ein Öl-LKW, die Heiz-Spätzla von der Fachfirma Wagner aus dem nahen Wertingen. Das Holz, aus dem die Pellets entstanden, stammt aus Bayern und Österreich. Also aus Mitteleuropa. Ziemlich nahe liegend.
Mit einem Schlauch – ähnlich wie beim Heizöl-LKW strömen die Holzpellets in den Keller des Altbaus. Mit Luftdruck eingeblasen. Dort unten stehen viereckige Holzkammern. Neben dran im Keller staubt es etwas. Kein Wunder – erklärt doch Pellets-Anfahrer Thomas Heigl von der Firma Wagner, die Holz-Würstchen würden mit 0,7 bar Luftdruck in den Keller geblasen. Ursache: 33 Meter Schlauch. Also verhältnismäßig weit. „Normalerweise reichen 0,3 bar“, der Fachmann. Und Bernd Gerle von der „ab-Solartechnik GmbH“ ergänzt, heute seien neuere Pellet-Lager-Keller so gebaut, dass überhaupt kein Staub drumrum beim „Einblasen“ dort zu sehen oder zu spüren sei.
Heizen mit der Sonne. Solarfachmann Gerle rechnet vor, für eine durchschnittliche Familie
reichten dafür Sonnenkollektoren für 12.000 bis 15.000 Euro aus. Knapp 2.500 Euro schieße der Staat als direkten Zuschuss zu. „Den Rest hat man in zehn Jahren abbezahlt.“ Dass auch die
ergänzend wärmenden Holz-Pellets fast nur halb
so teuer sind wie Mineral-Heizöl, lässt diese sonnige Sache noch viel interessanter erscheinen. Dazu gesellen sich umwelttechnischen Vorteile dieser angenehmen natürlichen Wärme-Quellen. Denn das Klimagas Kohlendioxid (CO 2) belastet beim Heizen mit Sonnenwärme überhaupt nicht die Luft. Und die gleiche Menge CO 2, die beim Verbrennen von Holz-Pellets durch den Kamin steigt, haben Bäume und Büsche (aus denen letztlich dieses Holz stammt) zuvor schon aus der Luft gezogen.
Keine zusätzliche CO-2-Emitierung also.
Doch auch wem all diese Vorteile für den Klimaschutz unwichtig erscheinen, kann trotzdem betriebswirtschaftlich nüchtern rechnen - und verfügt deshalb über solch sinnige Heiz-Systeme. Oder besorgt sie sich. Bald.
Julian Aicher
 
© Julian Aicher 2012